Um halb 10 machten wir uns auf den Weg zu den Cascades grand galet. Um den größten Wasserfall zu erreichen, muss man zuvor waghalsige Serpentinen meistern, die zum Teil so steil waren, dass wir einmal sogar im ersten Gang nicht mehr anfahren konnten und uns erst wieder ein Stück zurückrollen lassen mussten, damit wir weiter den Berg hoch kamen. Am Wasserfall angekommen, der dem Rivière de Langevin zu verdanken ist, betrachteten wir diesen erstmal von oben, bevor wir uns an den in Flipflops doch an ein paar Stellen etwas abenteuerlichen Abstieg zu dem Becken, in dem der Wasserfall mündet, wagten, um dort eine Runde zu schwimmen. Das Wasser, das uns unten erwartete, war so kalt, dass einem das Atem schwerfiel und es sich wie tausend kleine Nadelstiche am ganzen Körper anfühlte.
Nachdem wir dann auch den Aufstieg wieder erfolgreich gemeistert hatten, fuhren wir weiter Richtung St. Philippe, wo man die beste Vanille der ganzen Insel, ehemals Ile Bourbon genannt, kaufen kann. Zunächst versuchten wir unser Glück im Jardin des parfums et d`éspices, wo man im Verkaufsraum etwas überteuerte Gewürze kaufen konnte, aber gegen eine Eintrittsgebühr auch den Garten besichtigen konnte, in dem sehr viele der einheimischen Pflanzen zu sehen waren, seien es Gewürze, Gemüse oder Obst. Da Sebastian, Robert und ich lieber an den Strand wollten, besuchten die anderen fünf den Garten ohne uns, während wir Richtung Vincendo fuhren. Auf dem Weg kauften wir noch Vanille an einem kleinen Stand, machten noch ein paar Stopps an schönen Aussichtspunkten, um für Robert noch ein paar neue Profilfotos zu machen, und aßen ein Sandwich américain in einer kleinen Bar direkt an der Straße. Danach nahmen wir noch den kleinen Abstecher zum Cap méchant, wo sich die Brandung wirklich beeindruckend an der Küste bricht. Hier wurden wir kurzzeitig von einer verrückten Alten verfolgt, die uns erklärte, dass wir vom Teufel besessen seien.
Als wir in Vincendo ankamen, erwarteten uns schon Daniela, Marcel und Minh an einer der Pickickbänke kurz vorm Strand, wo wir auf Joss, Alice und deren Mutter warteten, die das Essen und Getränke brachten. Heute gab es eine Art Eintopf mit Jackfruit und Garnelen bzw. geräuchertem Schweinefleisch. Nach einem Bierchen machten sich Seb, Robert und ich auf zum Strand. Leider war es so windig, dass man kaum am Strand liegen konnte. Also ging ich nur kurz ins Wasser, kämpfte mit den heute besonders heftigen Wellen und ließ mich nur kurz trocknen. Durch die häufigen Windböen fühlte ich mich nach fünf Minuten allerdings eher wie paniert, also kehrten wir schnell wieder zu den anderen zurück und legten uns etwas windgeschützter gemeinsam mit Joss und Minh auf die Wiese oberhalb der Steine, währenddessen waren die anderen drei zum Cap méchant gefahren. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir nach Hause, wo wir nach einem guten Abendessen mit viel Salat den Abend mit Lieschenspielen verbrachten, während Marcel und Daniela von Alice und ihrer Mutter in die hohe Kunst des Dominospielens eingeführt wurden.