Um 11.30 Uhr landeten wir auf dem Flughafen Roland Garros und wurden dort von Alice und ihren Eltern in Empfang genommen. Nachdem wir unseren Leihwagen, einen Renault Mégane, abgeholt und uns unserer winterlichen Kleidung entledigt hatten, machten wir uns im Konvoi auf in Richtung Süden der Insel. Wir fuhren an der Ostküste entlang und hielten an der Anse des Cascades, wo noch Alice` Schwester Sophie und ihr Freund Laurent zu uns stießen. Dort erwartete uns in traumhafter Natur der erste Eindruck der kreolischen Lebensweise, denn wir machten erstmal ein Picknick mit leckeren kreolischen Köstlichkeiten: boucané mit zembrocal und chouchou – geräuchertes Schweinefleisch mit Reis und schwarzen Bohnen und einem Kohlrabi ähnlichen Gemüse, sowohl Fleisch als auch Bohnen stammten übrigens aus dem eigenen Garten, und zum Nachtisch gab es Lidschis, frisch vom Baum gepflückt. Leider gefiel es hier nicht nur uns, sondern auch hunderten von Mücken gut, die sich alle auf das weiße Frischfleisch in Form von Sebastians und meinen Beinen stürzten, sodass wir wohl noch ein paar Tage an das Picknick erinnert werden.
Nach dem Essen machten wir einen kleinen Spaziergang zum Meer, wo Sebastian noch eine Extraeinlage für Alice` Eltern parat hatte. Alice` Vater hatte ihn mehrfach warnen wollen, dass die Steine dort sehr glitschig seien und er aufpassen solle, aber leider vertrugen sich sein Kreolisch und Sebs schlechtes Französisch nicht. So rutschte er dann fast wie in Zeitlupe immer weiter Richtung Meer, bis er dann doch auf seinem Allerwertesten landete. Diese Stelle war aber so glatt, dass er kaum noch zurückkam und wir es nur mit vereinten Kräften schafften, ihn wieder hochzuziehen. So dauerte es auch keine zwei Minuten, bis das nächste unbedarfte Kind angerannt kam und mit den Steinen nähere Bekanntschaft machte.
Nachdem wir uns noch die Wasserfälle angesehen und über einen riesigen Kautschukbaum gestaunt hatten, fuhren wir weiter Richtung St. Joseph. Auf dem Weg überquert man mehrere Lavafelder des Piton de la fournaise, an einer Stelle konnte man sogar noch Rauch aus Bodenspalten aufsteigen sehen. Der Vulkan bricht noch relativ regelmäßig aus und wenn sich die Lavaströme ihren Weg Richtung Meer bahnen, muss manchmal für mehrere Monate die Hauptverkehrsstraße gesperrt bleiben, bis die Lava vollständig erkaltet ist.
Die Fahrt zu Alice` Eltern, gespickt mit wunderschönen Ausblicken, führte uns um die halbe Insel herum und ließ uns schon feststellen, wie vielschichtig die Ile de la Réunion ist.
Zuhause angekommen wurde ein bisschen ausgeruht, frisch gemacht und Kaffee getrunken, danach fuhren wir mit Alice noch an einen tollen Strand mit schwarzem Sand und großartigen Wellen, die uns das ein oder andere Mal ordentlich durchschleuderten. Als gegen sieben die Sonne unterging, machten wir uns auf den Weg nach Hause, wo uns ein köstliches Abendessen, bestehend aus Samosas und Salat, erwartete. Ein traumhafter zweiter Weihnachtstag.