Unser heutiger Tag begann früh, der Wecker klingelte bereits um sieben Uhr. Da gestern wieder Probleme mit der Seite des Blogs aufgetreten waren, hatte Sebastian die halbe Nacht damit zugebracht, den Blog nun auf seinem Server einzurichten und die Berichte dort hochzuladen. So kam er erst um zwei ins Bett, während ich schon seit drei Stunden selig schlummerte. So musste ich heute morgen alleine frühstücken, damit Seb jede Minute Schlaf nutzen konnte. Für ihn gab es dann kalte Pizza vom Vorabend.
Als wir gerade die Koffer einluden und uns auf den Weg zu einem tollen Supermarkt mit riesiger Obst- und Gemüseabteilung und frischem Brot machten, begann es mal wieder wie aus Kübeln zu schütten. Gut, dass wir Richtung Süden unterwegs waren.
Zunächst ging es gute hundert Kilometer über Landstraße, die Sebastian größtenteils verschlief. Danach mussten noch ca. 60 km auf dem Highway hinter uns gebracht werden. Kurz vor Savannah musste Seb ans Steuer, da Georgia der einzige Bundesstaat ist, in dem man nur mit internationalen Führerschein fahren darf. Und diesen hat sich nur Sebastian besorgt.
In Savannah angekommen checkten wir zunächst im Comfort Inn ein, das diesmal etwas weiter außerhalb liegt (ca. 9 km vom historischen Stadtkern entfernt). Sofort schmissen wir uns in die Badesachen, denn es ging endlich mal ans Meer, nach Tybee Island. Die Insel liegt ungefähr eine halbe Stunde entfernt Richtung Osten und Atlantik. Dort bestiegen wir zunächst den Leuchtturm, dem ein kleines Museum angeschlossen ist, das das Haus des Leuchtturmwärters mit Originalmobiliar zeigt. Der Aufstieg zur Spitze des Leuchtturms überforderte einige dicke Amerikaner – es gibt hier doch tatsächlich keinen Lift! – , sodass sie auf halbem Weg kehrt machten und sich zur Belohnung erstmal eine kühle Coke holten. Erschreckend die Tatsache, dass das beobachtete Mädel erst 17 Jahre alt war, was Sebastian zu der Theorie verleitete, dass nicht Bier, sondern Softdrinks erst ab 21 legal getrunken werden dürften. Dies würde das amerikanische Gesundheitssystem wahrscheinlich retten.
Nachdem wir uns auf der schwindelerregenden Plattform (freihängend und abfallend – da wurde selbst Anne ohne Höhenangst mulmig) einen Überblick über Tybee Island und die umliegenden Inseln verschafft und uns einen Strand ausgeguckt hatten, freuten wir uns auf das kühlende Nass. Immerhin hatten wir mal wieder tropische 38°C. Am Strand angekommen, bepackt mit Kühlbox für das kleine Mittagspicknick, sprangen wir voller Vorfreude direkt in die Fluten – und erlebten eine böse Überraschung! Denn der Atlantik bot leider kaum Abkühlung, sondern hatte eher Badewannentemperatur. Zumindest kam an den Füßen ab und an ein kühlerer Strom vorbei. Trotzdem war es herrlich, endlich im Meer zu schwimmen!
Da wir uns für den späten Nachmittag aber noch vorgenommen hatten, den Stadtkern von Savannah zu erkunden, blieben wir nicht allzu lange am Strand. Es war außerdem, trotz aufgezogener Wolken, einfach zu heiß. Die anderthalb Stunden hatten auch schon gereicht für einen kleinen Sonnenbrand.
Nach einer Runde im Hotelpool, um uns von den Spuren des Ozeans und Strands zu befreien, fuhren wir mit dem Auto zuerst zum Chippewa Square, wo die berühmte Bankszene aus Forrest Gump gedreht wurde. Die Bank, auf der er seine Lebensgeschichte erzählt, steht allerdings mittlerweile im Museum. Auf einer gleich aussehenden anderen Bank machten wir ein paar Fotos, bevor wir weiter Richtung River fuhren. Nach erfolgreicher Parkplatzsuche schlenderten wir zunächst durch den City Market, einen Straßenzug mit einigen Kneipen und Cafes, wo man tatsächlich sein Bier auf der Straße trinken darf und der Livemusik lauschen kann. Heute spielte eine Highschool-Band alle möglichen Rockklassiker, was manche sogar zu einem Tänzchen mitten auf der Straße animierte. Wir mussten uns unser Bier allerdings erst noch verdienen und liefen die River Street entlang, wo einige große Segelschiffe und Raddampfer vor Anker lagen, schauten uns die City Hall und das Cotton Exchange-Gebäude an und spazierten durch einen kleinen von Eichen flankierten Park. Hier wurden wir Zeuge der neuesten Generation amerikanischen Gößenwahns. Neben dem Riesentruck sah sogar ein großer Jeep winzig aus.
Unseren Hunger stillten wir bei Five Guys, eine Fastfoodkette, wo es handgemachte Burger aus frischem Beef mit selbst zu wählenden Zutaten und köstliche selbstgemachte Pommes aus der Kartoffelsorte des Tages (mit Schale) gibt.
Unserem Bierdurst folgend kehrten wir zum City Market zurück, wo die Band die Menge rockte und wir lustige Tanzstile aus allen Altersschichten betrachten konnten. So genossen wir dort bei einem Stella Artois die letzten Strahlen der Abendsonne.
Savannah hat uns überrascht insofern, als dass die Stadt entgegen unserer Vorstellung gänzlich anders aussieht als Charleston. Auch hier hatten wir mit den prächtigen Südstaatenvillen gerechnet, die jedoch den historischen Stadtkern weniger prägen. Trotzdem hat Savannah seinen ganz eigenen Charme und vermittelt einem das Gefühl, dass hier alles etwas lockerer zugeht. Auffallend sind außerdem die vielen uralten Eichen, die sich als Allee oder einzeln in der ganzen Stadt finden lassen. Ungewöhnlich sind ebenso die vielen Squares, die die am Reißbrett entworfenen Straßen auflockern und zum verweilen einladen.