The American Way of Life – 29.07.2010 Asheville

 

Heute sind wir um kurz nach sieben in Asheville angekommen und wir können beim besten Willen keinen Unterschied zu Roanoke feststellen, wo wir heute morgen losgefahren sind. Okay, wir haben es in beiden Städten nicht bis direkt in die Innenstadt geschafft, aber was wir kennen gelernt haben, sieht absolut identisch aus. Breite Straßen, an deren Rand sich ein Fastfood-Restaurant ans nächste reiht, unterbrochen nur von riesigen Supermärkten, Baumärkten oder Motels.

Apropos Supermärkte: Nachdem wir heute morgen nach längerer Suche endlich den Walmart gefunden hatten, der auf Google Maps so nah aussah, waren wir mal wieder schockiert von der Einkaufskultur der Amis. Das war jetzt der dritte riesige Walmart (ungefähr Metro-Größe), in dem wir waren, und nur ein einziger bot frische Lebensmittel, wie z.B. Obst und Gemüse, Frischfleisch oder frisches Brot. In den anderen kann man zwar dreihundert verschiedene Sorten Cola kaufen, aber leider keine einzige Flasche Sprudelwasser. Auch kann man zwischen dreißig verschiedenen Packungen gefrorener Hähnchennuggets wählen, aber keine frische Hähnchenbrust bekommen. Die Auswahl an Käsesorten ist ebenfalls extrem begrenzt und beschränkt sich im Prinzip auf Cheddar (auch bei diesem kann man zwischen ca. 15 unterschiedlichen Herstellern exakt das gleiche Stück in Form und Größe auswählen), Frischkäse (meist Philadelphia, allerdings nur in der Standardausführung, eine fettreduzierte Sorte ist nur sehr selten zu finden) und wenn man Glück hat, gibt es noch Mozzarella. Einmal haben wir auch ein Stück Gouda gesehen, hiervon sollte jedoch das Kilo 25€ kosten.

Als wir in diesem Walmart also schon wieder kein Obst kaufen konnten, von anderem Brot als labbrigen Toastbrot ganz zu schweigen, verließen wir vor uns hin schimpfend den Walmart und fanden zum Glück direkt nebenan den nächsten Supermarkt vor. So deckten wir uns beim Food Lion mit frischem Obst, Tomaten, Sprudelwasser und halbwegs akzeptablem Brot ein. Aber auch in diesem Supermarkt ist die Produktpalette deutlich kleiner als in Deutschland. Grundsätzlich bekommt man das gleiche Produkt von sehr vielen unterschiedlichen Firmen und in allen Verpackungsgrößen, aber eine wirklich größere Auswahl gibt es nur bei Fertigessen, Saucen, Süßigkeiten (wobei diese eigentlich nur aus verschiedenen Riegeln oder Popcorn-Ausführungen bestehen) und Softdrinks. Anzumerken ist noch, dass die kleinste Verpackungsgröße häufig größer ist als die größte bei uns. Was machen hier Singles?

Wir freuen uns auf jeden Fall jetzt schon wieder auf die Esskultur bei uns. Anne träumt schon von knusprigen Vollkornbrötchen belegt mit verschiedenen Käsesorten. Für eine kurze Zeit mag das ja alles noch recht nett sein, aber mittlerweile tun uns die Amerikaner irgendwie Leid. Es erklärt auf jeden Fall, dass hier die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt.

Nun aber wieder zurück zu dem schönen Teil dieses Landes. Im Anschluss an unsere Einkaufstour ging es wieder auf den Blue Ridge Parkway, der uns wie am Vortag begeisterte. Es ging über Berge und Täler, Wälder und Hochplateaus, wo in der Einöde immer wieder Häuser, Höfe und Kirchen für Abwechslung sorgten. Auch begegneten wir wieder ein paar Tieren auf dem Weg und steuerten diverse Aussichtspunkte an und besuchten die Marbry Mill, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Siedlern erbaut und genutzt wurde. Zu besichtigen war nicht nur die sehr idyllisch gelegene Wassermühle, sondern auch noch andere Gebäude und Werkzeuge des bäuerlichen Lebens zur Zeit der Jahrhundertwende. Unser Mittagessen nahmen wir auf einem der zahlreichen Picknick Grounds ein, wo an jedem Tisch ein Grill zur Verfügung stand. Trotz dieser vielen Abwechslungen kamen uns die fast acht Stunden auf dem Parkway (inkl. Pausen) gegen Ende sehr lang vor, so dass wir glücklich waren endlich das Hotel zu erreichen. Dieses bietet ein gewohnt gut ausgestattetes und sauberes Zimmer. Nach einem Bierchen auf der Veranda direkt über dem Pool stillten wir unseren Hunger in einem der zahllosen Fastfood-Restaurants. Nun hat auch Anne zum ersten Mal bei Taco-Bell gegessen (die Tacos schmecken übrigens fast wie die von uns zu Hause selbst zubereiteten).

Erkenntnis des Tages: Es gibt hier unzählige Jobs, die man seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. So sind uns bisher schon folgende begegnet: Türaufhalter, Tischanweiser, Tütenpacker, Hallo-und-danke-für-Ihren-Einkauf-Sager. Heute sind wieder zwei neue hinzugekommen, die man bei fast jeder Baustelle auf dem Blue Ridge Parkway bestaunen durfte: Der Slow-Stop-Schild-Wender, der mit einem 25 Meter entfernten Partner die menschliche Ampel spielt, wird noch übertroffen von dem Pilot-Car-Fahrer, der die wartende Kolonne entlang der Baustelle anführt, um ein Fahren auf der frisch geteerten Fahrbahn zu verhindern. Am Ende der Baustelle angekommen, dreht dieser und führt die nächsten Autos in entgegengesetzter Richtung sicher durch die Baustelle. Und das den ganzen Tag. Ein paar Pylonen hätten es wohl auch getan.

Lied des Tages: John Denver – Take me home, country roads

1. Strophe:

Almost heaven, West Virginia

Blue Ridge Mountains

Shenandoah River

Life is old there, older than the trees,

younger than the mountians, growing like a breeze.

Country roads, take me home to the place, I belong, West Virginia, mountian mamma, take me home, country roads.

 

 



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