North and South – 31.07.2010 Charleston

 

Unser heutiger Tag war zweigeteilt. Zunächst erkundeten wir am Vormittag zu Fuß noch weiter die Innenstadt und am Nachmittag stand der Besuch ein oder zwei Plantagen auf dem Pogramm.

Nach dem Frühstück (heute gab es doch tatsächlich Käsewürfel und Obstsalat!) marschierten wir los Richtung City. Obwohl wir dieselbe Stecke gestern schon gegangen waren, entdeckten wir doch immer wieder sehr schöne und urige Häuser, die uns gestern entgangen waren. Das gilt auch für die vielen Oleanderbüsche, die zwischen Straße und Bürgersteig gepflanzt sind.

Unser erstes Ziel war heute eher die Ostseite der Innenstadt entlang der East Bay Street. Von dieser Straße aus machten wir zunächst einen Abstecher zum Slave Mart Museum, welches die Geschichte der Sklaverei in den Südstaaten nachzeichnet und in dem historischen Gebäude beheimatet ist, in dem 1863 die letzte Sklavenversteigerung stattfand. Das kleine Museum bot zwar einige interessante Fakten, allerdings nur wenige Ausstellungsstücke, die die vielen Texttafeln veranschaulicht hätten. Außerdem hatten wir das Gefühl, als seien wir die einzigen Weißen im gesamten Museum.

Anschließend schlenderten wir weiter die East Bay Street herunter, bis wir zu dem Abschnitt kamen, der Rainbow Row genannt wird, da hier mehrere sehr hübsche kleine Häuschen in einer Reihe stehen, die in unterschiedlichen Pastellfarben angestrichen sind. Die East Bay Street wird danach im Süden zur East Battery, Charlestons Uferpromenade. Diese ist gesäumt von den prachtvollsten Südstaatenvillen mit Säulenfassaden und riesigen Veranden. Hier ließen wir uns den frischen Wind um die Nase wehen und genossen den Blick aufs Wasser, wo wir vielen kleinen Segelbooten (Jollen und Laser) bei ihren Manövern zusahen.

Da wir den Rückweg zum Hotel etwas verkürzen wollten (der Hinweg hatte über eine Stunde gedauert), entschlossen wir uns dazu, ein Stück mit dem Bus zu fahren, der allerdings eher wie die Cable Cars in San Francisco aussah (nur ohne Cable). Dieses Gefährt sieht zwar sehr nett aus, eine Federung hat es aber anscheinend nicht. Jedes Schlagloch, und davon gibt es einige auf amerikanischen Straßen, bekamen wir auf den Holzbänken schmerzlich zu spüren.

Nachdem wir die letzten 20 Minuten zum Hotel zu Fuß zurückgelegt hatten, machten wir uns kurz frisch, um per Auto zur Boone Hall Plantation aufzubrechen, die 20 km nordwestlich von Charleston entfernt liegt. Sie zählt zu den ältesten noch bewirtschafteten Betrieben des Südens. Der Weg zum Herrenhaus führte durch eine beeindruckende Allee uralter Eichen, die bereits im 18.Jahrhundert gepflanzt worden waren. Zunächst nahmen wir an einer Führung durch das Herrenhaus teil, das im Verhältnis zur Grundstücksgröße gar nicht so groß war, jedoch recht prachtvoll eingerichtet war.

Für alle Fackeln im Sturm – Liebhaber (Grüße an Gerdi und Alex): Das Herrenhaus stellt in der Serie Mont Royal dar, das Anwesen von Orry. Zudem diente es als Kulisse für zwei weitere Hollywoodfilme (Wie ein einziger Tag und Queen).

Nach der Führung gab es eine Rundfahrt über das gesamte Plantagengelände in einer Art offenem Bus. Hierbei erklärte uns der Fahrer, wie die Plantage damals und heute genutzt wird. Heute werden verschiedene Obst- und Gemüsesorten angebaut. Danach besuchten wir noch die ehemaligen Sklavenunterkünfte, in denen eine Ausstellung über das damalige Leben der Sklaven informiert. Besonders beeindruckt hat uns unter anderem der älteste Baum der Plantage, eine 600 Jahre alte Eiche.

Um kurz nach vier machten wir uns auf den Weg zu einer weiteren Plantage, der Magnolia Plantation, die v.a. wegen ihrer schönen Gartenanlagen bekannt ist. Da wir aber erst gegen kurz vor fünf da waren und der Besuch des Gartens noch einmal 30$ Eintritt für uns beide gekostet hätte, entschieden wir uns für die günstigere und weniger zeitaufwendige Variante und besuchten nur den Audubon Swamp Garden. Dies ist eine große, von Bretterstegen durchzogene Sumpfwildnis, in der viele Vögel, Amphibien, Insekten und angeblich auch Alligatoren leben. Letztere bekamen wir aber leider nicht zu Gesicht, stattdessen aber Unmengen riesiger Spinnen, von denen Sebastian bestimmt heute Nacht noch träumen wird.

Zufrieden und geschafft von dem umfangreichen Tagesprogramm machten wir auf dem Heimweg nur noch einen kurzen Stopp, bei einem der leckeren „Restaurants“, die wir aus unserem Hotelzimmer sehen können. Zu Mittag hatten wir nämlich nur eine Banane gegessen und so knurrten uns gehörig die Mägen. Jetzt beenden wir den Tag frisch geduscht mit dem Schreiben des Tagebuchs. Morgen geht es weiter nach Savannah, die Stadt, in der Forrest Gump seine Geschichte auf der berühmten Bank sitzend erzählt.

 

 



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